Fussball

© Südwind

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Rund 70 Prozent der handgenähten Sportbälle kommen aus Pakistan, die meisten davon aus der Stadt Sialkot im Nordosten Pakistans. Die Arbeitsbedingungen sind meist sehr schlecht, Näherinnen und Näher verdienen oft nur einen Bruchteil des gesetzlichen Mindestlohns und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Fairtrade ermöglicht den Beschäftigten bessere Arbeits- und Lebensbedingungen.

Zahlen und Fakten

  • China hat sich in den letzten Jahren zum größten Exporteur maschinell hergestellter Sportbälle entwickelt. Für qualitativ hochwertigere handgenähte Bälle bleibt Pakistan wichtigstes Herstellerland. Weitere Produktionsländer sind Indien, Thailand und Vietnam.
  • In einem Europa- oder Weltmeisterschaftsjahr werden allein in Pakistan bis zu 60 Mio. Fußbälle hergestellt. Das entspricht rund 70 Prozent der weltweiten Menge handgenähter Bälle.
  • 2011 wurden in Deutschland 30.000 Fairtrade-zertifizierte Sportbälle verkauft.
  • Alle Sportbälle mit Fairtrade-Siegel stammen aus Pakistan.

Sechs gute Gründe für Fairtrade

  1. Faire Mindestpreise und zusätzliche Fairtrade-Prämie für soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung
  2. Verbesserte Arbeitsbedingungen, demokratische Organisation und Mitsprache für die Beschäftigten
  3. Verbot von Diskriminierung, illegaler Zwangs- und Kinderarbeit
  4. Umweltschonender Anbau, Verbot von Gentechnik, Liste verbotener Substanzen und Förderung des biologischen Anbaus
  5. Transparentes System, unabhängige Zertifizierung und Kontrolle
  6. Verbraucherinnen und Verbraucher leisten durch den Kauf von Fairtrade-Produkten einen direkten Beitrag, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den Anbauländern zu verbessern

Fair Play mit Fairtrade

Für einen Fairtrade-zertifizierten Ball zahlten Händler im Januar 2012 je nach Qualität und Größe einen FOB zwischen 3 und 5 Euro. Außerdem schreiben die Fairtrade-Standards vor, dass die Näherinnen und Näher mindestens den gesetzlichen Mindestlohn für ihre Arbeit ausgezahlt bekommen müssen. Darüber hinaus müssen Löhne und Arbeitsbedingungen fortschreitend verbessert werden. Händler, die Fairtrade-zertifizierte Bälle kaufen, verpflichten sich, zusätzlich 10 Prozent des Einkaufspreises als Fairtrade-Prämie auf das Konto des Joint Body des jeweiligen Nähzentrums zu überweisen. Der Joint
Body ist ein Gremium aus gewählter Arbeitnehmervertretung und Management und entscheidet im Sinne der Beschäftigten, wie die Prämie verwendet wird.

Produzentenporträt

Hauptstadt der Ballmacher, so wird die Stadt Sialkot am Fuß der Gebirgsmassive von Kaschmir genannt. Sialkot hat über 500.000 Einwohner. 25 Prozent der Bevölkerung leben in der Stadt, 75 Prozent in Vororten. Viele der Arbeitskräfte in den Sportball-Nähzentren verdienen ihren Lebensunterhalt in der Produktion.

Information von TransFair 2012

Die Armut in der Region ist groß und zwingt die Menschen, zusätzlich in der Ballproduktion zu arbeiten. Mehr als 40.000 Personen sind in Sialkot in Nähzentren beschäftigt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter kommen aus Dörfern der Umgebung und arbeiten in mehr als 900 verschiedenen Werkstätten und Industrieanlagen. Eine davon ist das Ayub-Mehad-Stitching-Centre. Es gehört

zum Unternehmen Anwar Khawaja Industries (AKI), das seit 2005 Fairtrade-zertifiziert ist. Seither hat sich vieles für die Näherinnen geändert. Bis zur Zertifizierung nähten die Frauen die Bälle ausschließlich zu Hause, denn vielen Frauen ist es in der Islamischen Republik Pakistan verboten, das Haus zu verlassen, um arbeiten zu gehen. AKI hat Heimarbeit verboten, einerseits, weil die Standards Diskriminierung jeder Art verbieten, andererseits, um der verbreiteten Kinderarbeit keine Chance zu geben. „Als die Heimarbeit untersagt wurde, dachten wir zuerst, jetzt können wir gar kein Geld mehr verdienen“, sagt die Näherin Kubra Kurshed, „doch dann hat AKI ein Stitching-Centre extra für Frauen in Bhanewaly eingerichtet.“

Für die Kinder der Arbeiterinnen gibt es eine Kinderkrippe, sie wurde mit Hilfe der Fairtrade-Prämie finanziert, ebenso wurden mit den Geldern eine Wasser-Kühl- und eine -Filteranlage angeschafft, um den Arbeiterinnen kostenlosen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewährleisten. Die Frauen von Bhanewaly und ihre Kinder dürfen außerdem an kostenlosen Computerprogrammen teilnehmen, um sich fortzubilden.

Anbau und Produktion

Alle Fairtrade-Bälle werden in Sialkot in zertifizierten und regelmäßig kontrollierten Werkstätten hergestellt. Um einen Ball nach FIFA-Standardgröße 5 von Hand zu nähen, braucht man zwei Nadeln, 18 Meter synthetisches Garn, 32 vorgefertigte fünf- und sechseckige Panels und 650 präzise Stiche. Das Innere des Balls besteht aus einer mit Luft gefüllten Latexblase. Die Blase ist mit einer feinen Schicht aus Synthetikfasern geschützt. Darüber liegt die Außenhülle aus Leder. Die fünf- und sechseckigen Lederpanels werden nach und nach aneinandergenäht – sie ergeben die kugelförmige Außenhaut des Balls. Die Arbeit der Ballnäher erfordert viel Geschick, denn man muss aufpassen, dass die aufblasbare Latexblase im Innern des Balls nicht mit den Nadeln verletzt wird. Eine flinke Arbeiterin braucht pro Ball zwei Arbeitsstunden.

Fairtrade-Fußbälle gibt es im Aachener Weltladen.


 Nützliche Links

http://el-puente.de/
http://www.fairtradecenter.info/fairdealtrading.php
http://fairtrade.de/
http://www.fairtrade-deutschland.de/
http://www.fair-spielt.de/
http://fairtradesolutions.com/
http://globalrespect.de/
http://landjugendverlag.de/
http://www.goodweave.de/