Grab- und Pflastersteine

© Benjamin Pütter/Misereor

© Benjamin Pütter/Misereor

Rund 80 Prozent aller Grabsteine und Grabumfassungen auf deutschen Friedhöfen stammen aus Indien. In den vergangenen 20 Jahren haben die indischen Produzenten mit ihren unschlagbar preiswerten Arbeitsleistungen und einem vielfältigen Materialangebot den deutschen Markt erobert.

Der Preis für billige Grabsteine ist für manche jedoch sehr hoch, meint der Pfälzer Steinmetz Uwe Bähr: „Bei einer Indien-Rundreise besuchte ich in Südindien einen Steinbruch, in dem ganze Familien und Kinder in Schuldknechtschaft schuften mussten.“ Seit er das Elend der Kinder mit eigenen Augen gesehen hat, bietet er seinen Kunden fast nur noch heimische Steine an. Bis zu 30 Stunden braucht Uwe Bähr, um ein Grabmal aus Muschelkalk-, Granit-, Basalt- oder Sandstein zu gestalten.

1.000 Tonnen Friedhofsteine verkauft dagegen die Warsteiner Handelsfirma Dassel im Jahr. Die Steine werden hier nur ausgepackt, auf Schäden kontrolliert und dann an andere Händler ausgeliefert.

Benjamin Pütter, Kinderrechtsexperte der katholischen Hilfsorganisation Misereor, hat bei seinen regelmäßigen, aber unangekündigten Kontrollen Kinderarbeit gesehen: „Ich habe in Südindien Steinbrüche besucht und habe nicht selten Kinderarbeit gesehen. Bisher konnten wir nichts dagegen tun, jetzt haben wir ein Einstiegstor.“

Das „Einstiegstor“ ist die SIGNUM-Produktion einiger Freiburger Steinmetze. Am Anfang stand der Ärger. Die Freiburger Bildhauer Jörg Bollin, Michael Storr und Dieter Schindler mussten mit ansehen, wie billige Massenware immer mehr den individuellen Grabstein von den Friedhöfen verdrängte. „Wir sind der Auffassung, dass ein Grabstein ein Schlussstein des Lebens ist. Er gibt der Einmaligkeit des Verstorbenen eine Form“, erklärt Jörg Bollin.

Jetzt wollen sie zusammen mit indischen Partnern ein neues Grabmal-Design unter dem Titel SIGNUM auf den Markt bringen. Allerdings sollte eine Sache entschieden anders laufen als im herkömmlichen Grabmalhandel, erinnert sich Dieter Schindler: „Wir wollten auch auf die indischen Produktionsbedingungen Einfluss nehmen.“ Misereor will diese Pläne unterstützen. Benjamin Pütter: „Wir werden von Misereor die Steinlieferanten kontrollieren und ein Siegel ähnlich dem RUGMARK-Siegel vergeben. Keiner der Grabsteinproduzenten wird wissen, wann unsere Kontrolleure kommen. Das garantiert mit ziemlich großer Sicherheit dann, dass die Kunden Steine bekommen, die fair gehandelt wurden.“

3 Prozent des Umsatzes der fair gehandelten Grabsteine werden von den Steinmetzen für Schulen und Ausbildungsstätten in Indien gespendet.
Die Freiburger wollen in Zukunft alle interessierten Händler mit ihren Grabsteinen versorgen. Kunden werden auf diese Steine etwas länger warten müssen (vier bis fünf Monate), aber bei den geplanten Preisen lohnt sich das. Bis zu 400 Euro billiger sind die fair gehandelten Steine.
 
Steinmetz Michael Storr: „Deutlich billiger sind wir deswegen, weil wir keine Planungskosten für den Entwurf haben. Wir machen das selber. Wir sind Bildhauer von Hause aus. Wir haben keine großen Betriebsstätten, keinen Wasserkopf in der Verwaltung, keine Lagerhaltung, sondern können den Kunden nach Auftragserhalt direkt beliefern. Auch die Zwischenhändler sind ausgeschaltet.“ Außerdem arbeiten die Freiburger mit einer transparenten Kalkulation, die den Verkäufern ungerechtfertigte Aufschläge schwermacht. Der Verkaufspreis für fair gehandelte Grabsteine setzt sich laut SIGNUM wie folgt zusammen:

Einkaufspreis: 44 Prozent
Fracht: 7 Prozent
Design und Marketing: 24 Prozent
Verwaltung und Risiko: 6 Prozent
Qualitätssicherung: 4 Prozent
Gewinn: 12 Prozent
Indienfonds: 3 Prozent

Martin Schwieren, Bundesinnungsmeister des Bundesinnungsverbands des Deutschen Steinmetzhandwerks, findet die SIGNUM-Idee gut: „Sinkende Preise sind eine gute Nachricht für den Verbraucher.“ Viele Händler finden das nicht. Ihnen werden die fairen Grabsteinangebote das Geschäft kaputt machen. Völlig zu Recht, meinen die Freiburger Steinmetze. Auf die Konkurrenz in den Grabmalgeschäften sind sie nicht gut zu sprechen, erklärt Michael Storr: „Wir kritisieren, dass über diese Handelsschiene die Baumärkte, die Fliesenleger etc., also all jene, die nicht aus dem Handwerk kommen, sich an Sklavenarbeit bereichern.“ Die Verbraucher können helfen, die Sklaverei der Kinder in indischen Steinbrüchen zu lindern, indem sie bei ihrem Steinmetz nach fair gehandelten Grabsteinen fragen.

Quelle: www.XertifiX.de