Hunger

© Jan Salzmann

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Noch nie haben auf unserer Erde so viele Menschen gehungert, obwohl Landwirte auf der ganzen Welt gleichzeitig mehr Lebensmittel pro Kopf produzieren als je zuvor. Über 1 Mrd. Menschen leiden nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO an Hunger. Weitere 2 Mrd. sind fehlernährt, teils aus Mangel, teils aus Übermaß an Nahrung. Die Weltbevölkerung wird in kommenden Jahrzehnten auf etwa 9 Mrd. Menschen anwachsen. In dieser Zeit werden Klimaveränderungen in aller Welt die Landwirtschaft vor ungeheure Herausforderungen stellen. Sauberes Wasser, fruchtbare Böden und die wilde wie kultivierte Artenvielfalt unseres Planeten sind in erster Linie von bestimmten Formen der Landwirtschaft bedroht.

Die Art und Weise, wie die Weltgemeinschaft in den nächsten Jahrzehnten ihre Ernährung und deren Produktion gestaltet, wird die ökologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zukunft unseres Planeten bestimmen. Je früher wir die unvermeidlichen Konsequenzen ziehen, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Dies ins Zentrum öffentlicher und persönlicher Wahrnehmung zu stellen, ist der erste, wesentliche Schritt zur Besserung. Wir alle können dazu beitragen.

Dabei sollten wir uns nicht ablenken lassen: Die Hoffnung auf technische Patentlösungen hilft nicht weiter. Das Wissen und die technologischen Voraussetzungen zur Bewältigung der Aufgabe stehen zur Verfügung. Worauf es ankommt, sind ihr innovativer, zielgerichteter Einsatz und ihre gemeinschaftliche Verbreitung. Es geht um strukturelle, vornehmlich soziale Veränderungen auf allen Ebenen. Wissenschaftlicher Fortschritt kann dabei helfen. Aber er kann diese Vernunft nicht ersetzen. Wer das verspricht, verhindert die notwendigen Schritte, von denen manche unbequem, viele aber auch befreiend und bereichernd sind. Fatal wäre auch der Schluss, die Aufgabe sei zu groß, als dass die kleinen Beiträge zählten, zu denen wir Einzelnen, unsere Gemeinden, Unternehmen, Organisationen und Staaten in der Lage sind. Allein die Bereitschaft, das Machbare zu tun und jeden kleinen Schritt ernst zu nehmen, kann die Dynamik in Gang setzen, die auch scheinbar Unmögliches erreichbar macht. Das lehrt die Erfahrung Tausender ermutigender Initiativen in aller Welt.

Die Bewältigung der Hungerkrise stellt eine Querschnittsaufgabe für die gesamte Gesellschaft dar. Gefragt sind neben Veränderungen in den „armen“ Ländern, eine geänderte Politik der Internationalen Organisationen (WTO, Weltbank, IWF …), der verschiedenen Ebenen der Politik (Europa, Bund, Länder und Kommunen) sowie eine anderes Konsumverhalten der Verbraucher.